… ist die Frage, die im autonomen Seminar “Soziale Arbeit und Social Media” immer wieder auftaucht. So eine ungefähre Vorstellung hat man ja und denkt dabei an StudiVZ, Wikipedia, Delicious, Blogs und so weiter. Aber gibt es vielleicht auch eine genaue Definition, auf der sich weitere Untersuchungen aufbauen lassen?
Auf den ersten Klick ist das Problem ja leicht zu lösen: man muss ja nur “Social Software” bei Wikipedia nachschlagen.
“Soziale Software (englisch social software) ist ein Modewort für Software, die der menschlichen Kommunikation und der Zusammenarbeit dienen ... Eine einheitliche Definition existiert nicht, je nach Auslegung wird die soziale Software enger oder breiter gefasst.”
Wikipedia wird ja oft als unseriöse Informationsquelle bezeichnet, aber manchmal, wie in diesem Fall, kann man an den Informationen einfach nichts aussetzen. Denn dass keine einheitliche Definition von Social Software existiert, ist mir ja auch schon aufgefallen. Da mir Wikipedia hier allerdings nicht mit den Auskünften hilft, die ich haben wollte (und mich damit tröstlicherweise auch nicht falsch informiert), muss ich mir was Anderes einfallen lassen.
Okay, wir schauen einfach mal nach, wie andere Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen, den Begriff “Social Software” definieren. Thomas N. Burg meint dazu:
“Nach den Großrechnern, den Personal Computers (PCs) und den in diesem Kontext geschaffenen Softwaretools, die der individuellen Produktivitätsoptimierung gewidmet waren – wie z.B. Textverarbeitung, Buchhaltung, Grafik, etabliert sich zunehmend Software, deren Hauptaugenmerk auf der Verbindung von Menschen mit Menschen und Menschen mit Maschinen liegt. Diese, eine der wichtigsten rezenten Entwicklungen an der Schnittstelle Softwareentwicklung/Multimedia und Mensch, fasst man unter dem Schlagwort “Social Software” oder “Social Computing” zusammen.”
Während „klassische“ Software also von einzelnen nicht miteinander zusammenhängenden Akteuren bedient wird und deren individuelle Produktivität erhöht, erlaubt Social Software die Verbindung von Akteuren untereinander bzw. von Akteuren und Maschinen. Wie funktioniert jedoch diese Verbindung? Ulises A. Mejias erklärt:
Social software is „software that allows people to interact and collaborate online or that aggregates the actions of networked users.“
Deutlich wird also, dass Social Software online – also mit Hilfe über das Internet verbundener Computer – funktioniert und es so den Nutzern erlaubt ein Netzwerk zu bilden, dass zur Interaktion und Zusammenarbeit genutzt werden kann.
Was genau macht Social Software aber zu einem Phänomen, dass von Millionen von Menschen während ihrer Freizeit genutzt wird? Wollen diese Leute wirklich zusammenarbeiten? Wenn ja, weshalb? Jan Schmidts Social Software-Definition aus dem Bereich der Kommunikationssoziologie liefert einen Erklärungsansatz:
„Social software assists information-, identity- and/or relationship management by making connections between texts and people visible, at least to partial publics.“
Damit ließe sich erklären, warum sich Menschen die Mühe machen bei StudiVZ ein Profil zu erstellen oder bei Wikipedia Artikel zu editieren: die Verwendung von Social Software hat für den jeweiligen Anwender scheinbar einen ganz individuellen Nutzen. So kann man sein soziales Netzwerk in einer Art und Weise aufbauen und managen, die ohne eine Seite wie StudiVZ nicht möglich wäre (Beziehungsmanagement). Bei Wikipedia widerrum kann man das eigene Wissen in bis dato völlig unbekannten Formen teilen, überprüfen, vertiefen und sogar noch Anerkennung dafür bekommen (Wissensmanagement). Blogs widerrum werden oft genutzt, da sich mit ihnen Aspekte der eigenen Identität (Ideen, Ereignisse) präsentieren lassen (Identitätsmanagement). Offenbar ist es für den Nutzer/die Nutzerin von Social Software sehr attraktiv ein Online-Profil zu erstellen oder einen Blog einzurichten da ihm/ihr dadurch Möglichkeiten eröffnet werden, die er/sie sonst nicht hat.
Einen wichtigen Aspekt berücksichtigen die obigen Definitionen jedoch nicht. So wird in der Diskussion um Social Software nur am Rande bemerkt, dass der Wert der Social Software
„vor allem in den durch das System geschaffenen, gesammelten und kategorisierten Inhalten” [1]
liegt. Natürlich muss man dabei anerkennen, dass es nicht das System ist, welches diese Inhalte schafft, sondern dessen Nutzer. Social Software jedoch dient den Nutzern dabei als Werkzeug zum Sammeln und Ordnen von Inhalten und zur Herstellung weiterer Werte, die wiederum einen Nutzen für andere Akteure haben können. Kurz: Mit Hilfe von Social Software lassen sich Kollektivgüter herstellen, d.h. Güter, die nur durch gemeinsame Anstrengungen mehrerer Akteure geschaffen werden können.
Während dem Konzept “Social Software” in den bisherigen Definitionen lediglich Funktionen der Vernetzung von Menschen sowie der Interaktion und Zusammenarbeit und des Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagements zugestanden werden, lässt sich feststellen, das mit Hilfe von Social Software über diese individuellen Nutzen hinausgehende Werte geschaffen werden können.
Man könnte sagen, dass Social Software dabei hilft, soziale Dilemmata zu umschiffen. (Ein soziales Dilemma ist z.B. wenn jeder einen sauberen Stadtpark will, aber keiner Lust hat nach dem Grillen im Stadtpark seinen Müll aus dem Stadtpark wieder mit nach Hause zunehmen. Eine klassische Hilfe zur Umgehung sozialer Dilemmata sind Normen und Gesetze, die verhindern dass jeder seinen Müll einfach auf die Straße schmeißt.)
Den oben zitierten uneinheitlichen Definitionen des Begriffes “Social Software” möchte ich nun meine hinzufügen:
Indem Social Software einzelnen Akteuren Werkzeuge zu deren Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagements bietet, macht es die Verwendung von Social Software für diese Akteure attraktiv. Neben den dabei für die Nutzer entstehenden individuellen Vorteilen werden bei der Anwendung von Social Software Kollektivgüter geschaffen. Somit kann Social Software als Kollektivgut zweiten Grades betrachtet werden, welches soziale Akteure dabei unterstützt Kollektivgüter ersten Grades zu erstellen.[2]
Hallo Torsten,
sehr gute Definition, ist verständlich. Schau doch mal bei mir rein ;).